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Erstes großes Supermarkt-Ranking der ZeroPalmöl-Kampagne

Katastrophale Umweltschäden, die der exzessive Palmölanbau in den Tropenländern verursacht, wurden erst kürzlich wieder bei den verheerenden Bränden in Indonesien im Herbst 2015 weltweit diskutiert. Doch dies sind nicht die einzigen Folgen des massiven Einsatzes von Palmöl: Auch die Gesundheit der Verbraucher ist unmittelbar in Gefahr. Glycidylester und 3-Monochlorpropandiol (kurz 3-MCPD) sind in Palmöl und Palmfett in deutlich höheren Konzentrationen als in allen anderen pflanzlichen Fetten und Ölen enthalten. Beide entstehen bei der Verarbeitung von Lebensmitteln, insbesondere Pflanzenölen. Die daraus resultierende Gesundheitsgefährdung bestätigte am 3. Mai eine Studie der European Food Safety Authority (EFSA).

Anhand von Daten über den Lebensmittelverzehr hat die EFSA die Aufnahme der erwähnten Substanzen durch Lebensmittelkontaminationen für Menschen verschiedener Altersklassen abgeschätzt. Insbesondere die Altersgruppe der Säuglinge, Kleinkinder und Kinder überschreiten demnach durch die Aufnahme von pflanzlichen Fetten/Ölen in verschiedenen Lebensmitteln häufig die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge, was das Komitee als gesundheitlich bedenklich einstuft und zugleich fordert, weitere Studien zu den Lebensmittelkontaminationen und der Metabolisierung dieser Substanzen durchzuführen.

Hersteller und Einzelhandel im Zugzwang – das Supermarkt-Ranking von ZeroPalmöl

COOP, ein italienischer Einzelhandelsgroßkonzern, hat auf die Warnung der EFSA umgehend reagiert: Palmöl und Palmfett werden mit sofortiger Wirkung aus den Produkten der Firma verbannt. Der norwegische Lebensmitteldiscounter Rema1000 geht diesen Weg seit 5 Jahren. Mittlerweile ist das komplette Sortiment palmölfrei.

Doch wie sieht es bei heimischen Einzelhandelsketten aus? Sind unsere bekannten Unternehmen überhaupt willens und in der Lage, ihre palmölfreien Produkte des Sortiments zu nennen? Die Naturschutzstiftung SAVE Wildlife Conservation Fund (Wülfrath) führte dazu im Rahmen der Kampagne „ZeroPalmöl“ einen umfangreichen Supermarkt-Test mit anschließendem Ranking durch. Da Glycidylester und 3-MCPD vor allem für Kinder und Jugendliche gesundheitsschädlich sein können, wählte SAVE als exemplarische Produktkategorie „Kekse und Gebäck“ – beliebt vor allem in dieser Zielgruppe- aus.

Wie reagieren die Firmen auf das Supermarkt-Ranking?

Es wurden 14 große und bekannte Unternehmen angeschrieben, über das Ranking informiert und gebeten mitzuteilen, wie viele Produkte in dieser Kategorie durchschnittlich angeboten werden und wie viele davon palmölfrei sind. Die Ergebnisse waren ernüchternd!

Nur fünf Unternehmen (REWE, Aldi Nord, Aldi Süd, Lidl, Norma) antworteten überhaupt. Diese fünf Firmen beschrieben ausführlich ihre Strategien und Maßnahmen bezüglich des Einsatzes von zertifiziertem Palmöl; in der Regel wird RSPO-zertifiziertes Palmöl verwendet. Keines der Unternehmen setze sich jedoch von sich aus mit den negativen gesundheitlichen Aspekten bezüglich des Verzehrs von Palmöl für den Konsumenten auseinander.

REWE gibt an, dass ein Ersatz von Palmöl keine grundsätzliche Lösung darstellt. Allerdings wurden Rezepturen von bereits rund ein Drittel der Eigenmarkenprodukte auf andere Öle und Fette umgestellt.

Lidl überraschte positiv mit der Aussage, dass „sofern produktionstechnisch und wirtschaftlich abbildbar“ (E-mail Lidl vom 17.03.2016) eine Substitution von Palmöl in Lebensmitteln angestrebt wird.

Neben der geringen Anzahl von Rückantworten seitens der Supermarktketten waren auch nur Lidl und Norma bereit und in der Lage, Produktlisten zu schicken.
Lidl schickte eine Liste aller palmölfreien Produkte der Eigenmarken. Die ursprüngliche Liste umfasste 24 verschiedene Produkte. Bei einer Kontrolle in einer Lidl-Filiale vor Ort konnte die Liste allerdings nicht vollständig verifiziert werden. 11 Produkte waren zum Zeitpunkt der Recherche in der besuchten Filiale nicht vorhanden und drei weitere Produkte - als palmölfrei gelistet – enthielten Palmfett.
Norma nannte konkrete Anzahlen der Produkte der Eigenmarken und auch die Anzahl der palmölfreien Produkte. Die Eigenauskunft besagte, dass insgesamt 34 Artikel gelistet seien und davon 21 kein Palmöl enthielten. Auch diese Zahlen konnten bei einer Recherche in einer Filiale nicht bestätigt werden. Allerdings wurden bei der Vor-Ort-Recherche nicht nur Eigenmarken berücksichtigt. Es ist ebenfalls bekannt, dass nicht zwangsläufig in jeder Filiale exakt das gleiche Sortiment zu jeder Zeit angeboten werden kann. Begrüßenswert ist die Tatsache, dass sich immerhin zwei von 14 Unternehmen die Mühe machte und überhaupt Produktlisten schickte.

Vor-Ort-Recherchen

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Für die Vor-Ort-Recherche suchte SAVE exemplarisch jeweils eine Filiale aller angeschriebenen Supermärkte in verschiedenen Städten auf. Um ein vollständiges Bild zu erhalten wurden die Produkte aus der Kategorie „Kekse und Gebäck“ gezählt und nach ihren Inhaltsstoffen bezüglich Palmöl, Palmfett und Palmkernöl untersucht. Dazu wurden die Angaben der Inhaltsstoffe auf den einzelnen Verpackungen studiert. Die Produkte wurden dann in drei Kategorien unterteilt und gezählt:

    1. Ohne Palmöl/Palmfett/Palmkernöl
    2. enthalten Palmöl/Palmfett/Palmkernöl
    3. keine Kennzeichnung („pflanzliche Fette/Öle“ angegeben)

Ergebnisse der Vor-Ort-Recherchen

Tabelle 1: Anzahl und prozentualer Anteil palmölfreier Produkte in der Beispielkategorie „Kekse und Gebäck“ pro Unternehmen

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Knapp 2000 Artikel wurden untersucht und die Ergebnisse zeigen deutlich: Mehr als jedes zweite Produkt kann der Verbraucher nicht ohne Bedenken in seinen Einkaufswagen legen – auch nicht in den Biosupermärkten.
Mit Aldi Nord findet sich ein herkömmlicher Supermarkt zusammen mit den Biosupermärkten auf den vorderen Rängen.
Die Märkte auf Rang 5 bis 11 liegen nur 5 %-Punkte auseinander; lediglich die drei letztplatzierten Edeka, Norma und Netto fallen deutlicher ab.

Ein Lichtblick…
…ist der gute alte Klassiker, der Butterkeks! Bei allen getesteten Anbietern ist der Butterkeks palmölfrei.
Doch Vorsicht ist schon beim Vollkorn-Butterkeks geboten: Zwar kommen einige Hersteller ohne Palmöl aus, jedoch zum Beispiel der führende Keksproduzent mischt Palmöl in seine Rezeptur!

Auswege für den Verbraucher

So lange unsere heimischen Unternehmen dem Beispiel von COOP und Rema1000 nicht folgen, bleibt dem verantwortungsbewussten und interessierten Verbraucher oft nur die umständliche Möglichkeit, die Inhaltsangaben der Verpackungen genau zu studieren.
Eine Handvoll Produzenten kommt jedoch auch hier noch nicht der gesetzlich vorgeschriebenen Kennzeichnungspflicht nach. In diesen Fällen versteckt sich Palmöl weiterhin unter dem Sammelbegriff „pflanzliche Öle/Fette“. Die Hersteller von Produkten mit dieser mangelhaften Kennzeichnung wurden von SAVE schriftlich kontaktiert – Antworten und Stellungnahmen stehen noch aus!

Heimische Konzerne in der Pflicht!
Einige Hersteller scheinen bewusst das negativ behaftete Wort „Palmöl“ umgehen zu wollen. Stattdessen tauchen die Begriffe „Palmfrucht“ oder „Ölpalme“ in der Zutatenliste auf– dahinter verbirgt sich in der Regel ebenfalls Palmöl.

Das Ergebnis der SAVE Recherchen im ersten großen Supermarkt-Ranking der ZeroPalmöl-Kampagne zeigt jedoch folgendes ganz deutlich:

  • Nur wenige Unternehmen waren überhaupt bereit, auf unsere Anfragen schriftlich zu antworten
  • Die Gesundheitsgefahr – ausgehend von der übermäßigen Verwendung und Verzehr von Palmöl – wurden von keinem Unternehmen von sich aus erwähnt
  • Bei der exemplarisch ausgewählten Kategorie „Kekse und Gebäck“ sind im Schnitt aller 14 untersuchten Märkte nur rund 29 % der Produkte palmölfrei
  • Nur ein Unternehmen strebt aktuell eine Palmöl-Substitution an

Ausländische Großkonzerne haben vorgemacht, dass man durchaus erfolgreich auf palmölfreie Alternativen umstellen kann - wenn man denn will. Nun sind unsere heimischen Konzerne in der Pflicht!