Alarmierendes Gerichtsurteil gegen Umweltaktivisten in Kamerun

Donnerstag, den 19. November 2015 um 13:08 Uhr

Wie Palmöl-Investor Umweltschützer zum Schweigen bringen und selbst Klagen in Höhe von 45 Mio. EUR abwenden will

Hintergrund des Prozesses gegen den kamerunischen Umweltaktivisten Nasako Besingi ist dessen Protest gegen die Errichtung einer großflächigen industriellen Palmölplantage im Südwesten Kameruns durch die lokale Tochtergesellschaft SG SOC Ltd. (Sithe Global Sustainable Oils Cameroon Limited) des US-Agrarindustrieunternehmens Herakles Farms.

Das Projekt mit einer Größe von 20.000 bis 70.000 Fußballplätzen zerstört dichte Regenwaldgebiete, die den Lebensraum einer Vielzahl bedrohter Arten und einen der 25 Biodiversitäts-Hotspots der Erde darstellen. Unter anderem zum Schutz dieser Biodiversität sagte Deutschland im Dezember 2013 Kamerun Mittel in Höhe von 86,5 Millionen Euro zu. Die Ziele dieser Entwicklungszusammenarbeit werden unterlaufen, wenn Palmöl-Investoren Regenwälder in Kamerun abholzen. Gemeinsam mit dem SAVE Wildlife Conservation Fund und anderen internationalen Naturschutzorganisationen versuchte Besingi seit Bekanntwerden der Pläne, den Plantagenbau zu stoppen, um die damit einhergehende, massive Regenwaldrodung zu verhindern.

 Herakles
© Regenwaldrodung in Kamerun © SAVE

Es war ein kontroverser und langwieriger Gerichtsprozess, der sich über mehr als drei Jahre hinzog. Das umstrittene Urteil vom 3. November 2015: Der Naturschützer Nasako Besingi wurde zu 1,2 Millionen CFA-Francs (entspricht etwa 1.800 EUR) Geldstrafe bzw. einer Gefängnisstrafe von drei Jahren und 10 Millionen CFA-Francs (ca. 15.200 EUR) Schadenersatz wegen Verbreitung falscher Neuigkeiten über Herakles Farms und Diffamierung zweier Mitarbeiter der Firma verurteilt.

Besingis Anwalt hält die Anklagepunkte, die – seiner Ansicht nach – nur dazu dienen sollen, seinen Mandaten zum Schweigen zu bringen, für fadenscheinig und wird gegen das Urteil Berufung einlegen.

 Herakles
© Nasako Besingi © SAVE

Mitarbeiter von Herakles Farms griffen Besingi an und bedrohten ihn, da sie ihr Projekt durch seinen Widerstand in Gefahr sahen. Besingis Verurteilung ist lediglich ein erstes Ergebnis einer ganzen Serie schwebender rechtlicher Schritte gegen ihn. Das Ganze versteht sich als Rachefeldzug, nachdem er gemeinsam mit SAVE und anderen NGOs die Firma zuvor wegen Verstößen gegen Umwelt- und Menschenrechte verklagte. In den benötigten Sozial- und Umweltverträglichkeitsstudien nämlich habe Herakles Farms falsche Zahlen genannt und verheimlicht, dass Tausende von Kleinbauern ihres Landes beraubt wurden – ohne jegliche Ausgleichszahlung. Ebenfalls verschwieg das Unternehmen den großflächigen Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln, die die Wasserquellen der Menschen kontaminieren und Fischpopulationen gefährden können.

Mittels Gerichtsbeschluss ist man nun anscheinend bestrebt, Besingi, den Leiter der kamerunischen Nichtregierungsorganisation SEFE (Struggle to Economize Future Environment), aus dem Weg zu räumen. Dabei ist es so wichtig, dass er den lokalen Gemeinden und Bauern, die ohne seine Unterstützung im Machtspiel der großen Firmen und Investoren niemals Gehör finden würden, eine Stimme verleiht. Diese gilt es nicht verstummen zu lassen aufgrund von Repression und Einschüchterung. In welchem Umfang er die Interessen der lokalen Bevölkerung vertritt, zeigt die von SAVE organisierte Unterschriftenaktion, bei der sich mit 4.000 Unterschriften 80% der Regenwaldbewohner der umliegenden Dörfer – aller direkt betroffenen Menschen also – gegen die Plantage aussprachen.

In einem Schreiben, das uns aus einer vertraulichen Quelle vorliegt, fordert die SG SOC Ltd. die Regierung Kameruns dazu auf, ausstehende Gerichtsprozesse gegen das Unternehmen zu unterbinden. Dabei handelt es sich um acht Fälle mit Klagen in Höhe von insgesamt 45 Millionen Euro. Ein ehemaliger Mitarbeiter der Firma verklagt diese u.a. wegen Diffamierung, Rassendiskriminierung und böswilliger Verleumdung in mehreren Fällen. Der eingeschlagene Weg von SG SOC über Regierungsbehörden Rechtsklagen entfliehen zu wollen grenzt an Korruption und ist jedenfalls sehr kritisch zu beurteilen. In dem Brief weist die Firma darauf hin, dass Investoren verunsichert wären durch die ständigen Klagen gegen das Unternehmen und dass die Geschäfte signifikant unter diesen Klagen zu leiden hätten. Man wolle sich doch lediglich auf sein Kerngeschäft konzentrieren, die Produktion von Palmöl. Es lässt sich nur hoffen, dass der Versuch der Einflussnahme auf die Regierung am Ende keinen Erfolg hat und nicht dazu führt, dass die Firma sich nicht verantworten muss.

 Herakles
© Nasako Besingi © Greenpeace

Die ganze Angelegenheit könnte uns auf drastische Art und Weise vor Augen führen, welch ungleiche Behandlung verschiedene Akteure aufgrund ihrer unterschiedlichen Machtverhältnisse erfahren.

Das Nasako-Besingi-Urteil stellt eine ernsthafte Gefährdung der freien Meinungsäußerung in Kamerun dar. Leider ist dies kein Einzelfall. Auch in anderen Teilen des Landes werden die Rechte von Menschen und Organisationen verletzt, die sich für den Schutz von Land und Natur einsetzen.

Weitere Informationen zum Thema Palmöl unter: www.zeropalmoel.de

 

Der afrikanische Lӧwe

Donnerstag, den 05. November 2015 um 17:48 Uhr
Botswana
Kalahari Löwe © SAVE

Die SAVE Wildlife Conservation Fund Stiftung und der afrikanische Lӧwe

Von Dr. Kristina Kesch

 Kalahari Löwe
Kalahari Löwe © SAVE

Der afrikanische Löwe ist wohl eine der majestätischsten Tierarten, die unsere Erde jemals bevӧlkert hat, ein Ikon der Tierwelt. Weltweit wird er geliebt und verehrt oder aber gefürchtet und gehasst. Für die Menschen in Afrika ist ein Zusammenleben mit der zweitgrӧßten Raubkatze der Welt oft sehr schwierig. Wenn Nutzvieh gerissen wird, werden Lӧwen vielerorts in Vergeltung gejagt und getötet.

Der Aktionsraum eines Löwenrudels kann in manchen Gebieten 1.000 km2 überschreiten. Bedenkt man, dass für eine genetisch gesunde Population mindestens 50 zusammenhängende Rudel notwendig sind, wird ersichtlich, dass die Tiere für einen Fortbestand sehr viel Platz benötigen. Bei einer gleichzeitigen menschlichen Bevӧlkerungsexplosion in Afrika ist es nicht allzu überraschend, dass es immer häufiger zu Konflikten zwischen Menschen und den Raubkatzen kommt. In nur drei Lӧwengenerationen ging die Raubtierpopulation um etwa 42% zurück und die aktuellste Schätzung besagt, dass es nur noch etwa 32.000 Tiere in freier Wildbahn gibt.

Als hauptsächliche Gefahr für die Tiere werden der Konflikt mit dem Menschen, der Rückgang von Beutetierpopulationen, Habitatverlust und die Trophäenjagd genannt. Gleichzeitig sind Topprädatoren wie der Löwe allerdings extrem wichtig für das Ӧkosystem Erde, da sie an der Spitze der Nahrungskette stehen und unter anderem die Populationen von Antilopen und anderen Beutetieren unter Kontrolle halten. In vielen Ländern sind die Tiere auch für den Tourismus sehr wertvoll und Tausende von Menschen kommen jedes Jahr zur Safari nach Afrika, um den afrikanischen Lӧwen in freier Wildbahn zu bewundern. Wie können wir es also schaffen, diese Tiere zu schützen, sie in gesunden Populationen am Leben zu erhalten und gleichzeitig für eine friedvolle Koexistenz mit dem Menschen sorgen?

 Kalahari Löwe
Kalahari Löwe © SAVE

Die SAVE Wildlife Conservation Fund Stiftung ist seit 2010 im Lӧwenschutz aktiv und hat ihren Fokus speziell auf Botswana gelegt. Die Lӧwenpopulation des Landes im südlichen Afrika ist Teil einer der grӧßten zusammenhängenden Populationen afrikanischer Lӧwen. Für den Arterhalt der Tiere ist es daher von großer Bedeutung, diese gesund zu halten und nachhaltig zu schützen.

Die Stiftung hat hier gemeinsam mit mehreren Dorfschulen ein Umweltbildungsprogramm ins Leben gerufen. Dieses soll Kindern, die am Rande von Wildtiergebieten oft mit Angst vor Raubkatzen groß werden, eine alternative Denkweise vermitteln, ihnen die Wichtigkeit dieser Tiere näherbringen und kann es vielleicht sogar schaffen, die Kinder für diese Tiere zu faszinieren. Somit wäre der Grundstein für eine Zukunft im Safaritourismus gelegt, der das zweitwichtigste wirtschaftliche Standbein des Landes darstellt.

 Kalahari Löwe
Kalahari Löwe © SAVE

Im Jahre 2015 initiierte die Stiftung weiterhin die Freilassung von 400 Gnus und 100 Eland Antilopen in einem der größten Schutzgebiete des Landes, dem Central Kalahari Game Reserve. Dadurch verdoppelten sich beinahe die natürlichen Beutetierpopulationen, die zuvor durch das Eingreifen des Menschen rapide zurückgegangen waren.

Die SAVE Wildlife Conservation Fund Stiftung freut sich außerdem zu verkünden, dass sie ab sofort das Botswana Lion Corridor Project unterstützen wird. Das Projekt ist eine Initiative der Wildlife Conservation Research Unit (WildCRU) der Universität Oxford, die seit mehr als 20 Jahren mit innovativer Lӧwenforschung und Schutzprogrammen im südlichen Afrika tätig ist.

 Kalahari Löwe
Kalahari Löwe © SAVE

Wenn Sie die Arbeit von SAVE und seinen Partnern vor Ort unterstützen wollen, besuchen Sie doch einfach die Homepage der Stiftung und setzen Sie sich mit den Mitarbeitern in Verbindung:

https://www.save-wildlife.org

 

Uhu- und Greifvogelschutz im niederbergischen Raum

Freitag, den 14. August 2015 um 11:46 Uhr
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Uhu- und Greifvogelschutz im niederbergischen Raum

Obwohl die Umrüstung vogelgefährlicher Strommasten im Mittelspannungsbereich bereits bis 2012 laut Bundesnaturschutzgesetz abgeschlossen sein sollte, ist bis heute nur ein Bruchteil der Masten ausreichend gesichert.

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Jährlich kommen weiterhin tausende Vögel durch einen Stromschlag ums Leben. Besonders betroffen sind große Vögel, wie streng geschützte und vom Aussterben bedrohte Greifvögel und Eulen. Da die gesetzlichen Vorschriften größtenteils nicht umgesetzt wurden, erleiden die Tiere weiterhin einen sogenannten Stromtod, wenn sie mit ihren Körpern, häufig den großen Flügeln, stromführende Leitungen und ungeschützte Leiterseile berühren.

Die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V. (EGE) hat bei einer in verschiedenen Bundesländern durchgeführten Untersuchung auch im niederbergischen Raum bedenkliche Masten gefunden. Anlässlich dieser Befunde untersucht Detlef Regulski, Eulen- und Greifvogel-Experte und Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft (NWO), seit März 2015 im Auftrag von SAVE für 12 Monate alle rund 260 Nieder- und Mittelspannungsmasten im niederbergischen Raum ab, später sollen noch Tauglichkeits-untersuchungen von Flächen für neue Windenergieanlagen hinzukommen. Er überprüft die Strommasten auf ihre Vogeltauglichkeit entsprechend der EU-Vorschriften. Bei seinen bisherigen Arbeiten musste der Vogelschützer feststellen, dass gerade einmal ein Sechstel der untersuchten Masten ausreichend gesichert sind. Mit den Befunden wird er sich, zusammen mit SAVE, an die gewerblichen Betreiber der Strommasten sowie die zuständigen Behörden wenden.

 

Naturschutz verbindet – Deutschland, Botswana, China

Mittwoch, den 17. Juni 2015 um 09:59 Uhr
Ausgewilderte Gnus
In die Freiheit entlassene Gnus © SAVE

Deutsche Naturschutzorganisation initiiert größtes Auswilderungsprojekt in der Kalahari (Botswana)

SAVE Wildlife Conservation Fund Deutschland und das Wildlife Department Botswana haben im Mai dieses Jahres 400 Streifengnus und 100 Eland Antilopen in die Freiheit des Central Kalahari Game Reserve (CKGR) Nationalparks in Botswana ausgewildert. Dies ist die bisher größte Anzahl an Wildtieren, die auf einmal in die Freiheit des Tierreservats entlassen wurde. Das CKGR ist das zweitgrößte Wildreservat der Welt und mit seinen 52.800 km2 größer als die Schweiz.
Nach der verspäteten Regenperiode sind zu diesem Zeitpunkt alle Wasserlöcher des Reservats gut gefüllt und bieten den Tieren eine gute Überlebenschance.

SAVE initiierte das gemeinschaftliche Großprojekt und kaufte die Tiere der nahe der Central Kalahari gelegenen Grassland Safari Lodge ab, um sie im CKGR freizulassen.

 Auswilderungsprojekt
Gruppenbild mit Mr. Zheng (Chinesischer
Botschafter), Mr. Taolo (Wildlife Ministerium)
und Mr. De Graaff (Grassland Safari Logde)
© SAVE
Der Aktion ging eine längere Planungsphase voraus und SAVE konnte es Anfang dieses Jahres mit dem Wildlife Ministerium Botswanas besiegeln.
Auch die chinesische Botschaft in Botswana beteiligte sich an dem Vorhaben - und somit erstmals an einem Wildtierschutzprojekt in Botswana - durch anteilige finanzielle Unterstützung bei den Einfang- und Transportkosten, ebenso wie die Umweltstiftung Tlhokomela Trust. Der Reiseanbieter Abendsonne Afrika - Deutschlands Safarispezialisten Nr. 1 für Safaris im südlichen und östlichen Afrika - trug ebenfalls zum Erfolg des Projektes durch eine Spende im Umfang von zwei großen Gnu-Herden bei.

Ziel der Aktion war es, möglichst viele Paarhufer zurück in ihr natürliches Habitat zu führen. Durch großflächige Viehzucht, fortschreitende Landnutzung und das Errichten von Zäunen wurde die Migration der Wildtiere in den letzten Jahrzehnten stark beeinträchtigt, wenn nicht gar ganz verhindert. Das hat dazu geführt, dass die Antilopenpopulationen im CKGR stark dezimiert wurden. Insbesondere die Anzahl der Gnus im Reservat ist so drastisch zurückgegangen, dass sie sich schwer erholen kann. Dies zeigte eine vorausgegangene - von SAVE mitinitiiert und unterstützt - wissenschaftliche Studie. Deshalb war es ein wichtiges Anliegen von SAVE, eine große Anzahl dieser Tierart wieder in den angestammten Gebieten anzusiedeln, um den Artbestand zu sichern.

 Auswilderungsprojekt
Gnu-Herde in der Boma © SAVE

Dafür mussten die Tiere zunächst von der Wildtierfarm eingefangen werden. Jedoch sind die Wildtiere auf den großen Farmen oft nur schwer zu finden. Sie schonend einzufangen und auszuwildern bedurfte deshalb des Einsatzes von Profis und Tiermedizinern des Wildlife Departments Botswanas und der Luftunterstützung eines Helikopters.
Nachdem die Tiere in Herden über einen Zeitraum von mehreren Tagen eingefangen werden und sie sich zunächst in Bomas vom Fang erholen konnten, wurden sie in drei verschiedenen Gebieten des Wildreservats mit dazugehörigen Wasserlöchern frei gelassen, nämlich Motopi, Piper Pan und Xade. Diese Gebiete sind teilweise über 70 km voneinander entfernt. Dadurch werden Ballung und Überweidung in einzelnen Zonen verhindert. Die Verteilung über das CKGR sichert somit die Nachhaltigkeit des Weidelands und das Gleichgewicht des Ökosystems.

 Auswilderungsprojekt
Eland-Herde in der Boma © SAVE

Nach dieser erfolgreichen ersten Auswilderungsaktion beabsichtigt SAVE weitere Projekte dieser Art, um den Fortbestand der Wildtierpopulationen und das ökologische Gleichgewicht des CKGR aufrecht zu erhalten. Zudem ist ein Monitoring der bereits ausgewilderten Tiere geplant. Dieses Monitoring soll die Ergebnisse und Auswirkungen der Wiederansiedlung festhalten und die Daten für künftige Auswilderungen nutzbar machen.

 

Interview mit Natur- und Wolfsschützer Karsten Arnold

Mittwoch, den 17. Juni 2015 um 08:44 Uhr
Karsten Arnold
© Karsten Arnold

Karsten Arnold unser ehrenamtlicher Projektleiter „Der Wolf im Unteren Odertal“

Erfahren Sie im Folgenden mehr über unseren SAVE-Berater und ehrenamtlichen Mitarbeiter Karsten Arnold. Im Interview mit SAVE verrät er, wie er zum Wolfsschutz gekommen ist, was die Tiere so besonders macht und wie er die aktuelle Debatte um den Wolf beurteilt.

SAVE: Herr Arnold, wie sind Sie dazu gekommen, Wolfsschützer zu werden? Wann und wie fing alles an?

Karsten Arnold: Ich komme eigentlich aus der Tiermedizin, speziell Equiden und Caniden – also Pferde und hundeartige Tiere. Habe mich dann aber der Verhaltensforschung und Tierpsychologie zugewandt. Seit einer schweren chronischen Erkrankung bin ich nur noch ehrenamtlich und gemeinnützig tätig, wenn es die Gesundheit gestattet. Eigentlich war es ein Projekt zur Erfassung der Tierpopulation im Bereich des Internationalparks Unteres Odertal, das uns auf ein neu entstehendes Wolfsrudel stoßen ließ.

SAVE: Warum engagieren Sie sich für den Naturschutz und insbesondere für den Wolfsschutz?

Karsten Arnold: Die Arbeit in der freien Natur mit Tieren ist das Größte, das es gibt. Balsam für die Seele – auch wenn man körperlich indisponiert ist. Wir hatten zwei Jahre zuvor schon den Wildbestand im Unteren Odertal erfasst. Also bot es sich an, die Studie zum Wolfsrevier in Interaktion mit dem Wildbestand zu setzen. Wir möchten endlich mit dem Ammenmärchen aufräumen, dass der Wolf das Wild wegfressen und der Wildbestand vor Angst in die Stadt flüchten würde. Unsere Studie läuft erst seit Anfang des Jahres und doch können wir schon ganz klar sagen, dass der Wildbestand sein Verhalten im Wolfsrevier kaum ändert. Allein die Jagdsaison hat Einfluss auf die Verhaltensweisen der Waldbewohner.

SAVE: Warum gerade die Spezies Wolf?

Karsten Arnold: Ich finde, dass der Wolf eines der intelligentesten und vor allem sozialsten Wesen der Natur ist. So lernfähig und selbstbewusst und doch in seiner Familie liebevoll und fair. Es ist ein Privileg, diese Tiere in freier Wildbahn studieren zu dürfen. Denn die Verhaltensweisen unterscheiden sich explizit von Gehegewölfen. Auch ist eine andere Verhaltensweise im Gegensatz zu Tieren in abgelegenen Gegenden wie Alaska oder Sibirien zu beobachten. Erstaunlich gut passt sich der Wolf den Gegebenheiten der kultivierten Landschaft Mitteleuropas an.

SAVE: Was ist Ihre Meinung zur aktuellen Debatte um den Wolf?

Karsten Arnold: Die gegenwärtige Berichterstattung zum Thema Wolf beobachte ich mit Sorge. Ich empfinde Wölfe nicht wirklich für auffällig, die jung die große Welt erkunden und dabei auf Orte stoßen, wo Menschen leben. Schließlich baut der Mensch ja alles zu. Vielmehr sehe ich das Geschehen um die öffentliche Meinung als kritisch an. Es grenzt an eine Hetzjagd auf ein Tier, das seit Grimms Märchen zu Unrecht verteufelt wird. In der Presse wird gemeldet, dass der Wolf bald Hunde, Menschen und Haustiere frisst und schon wird ein Szenario Wirklichkeit, das in den letzten 15 Jahren nicht geschah. Ein erwachsener Mann, ein Jäger, wird mitten in der Nacht im Wald, wo Wölfe leben, von einem solchen zu Tode erschreckt? Eine Radfahrerin fährt mit ihrem Hund an der Leine und es kommt der böse Wolf und knabbert dem Hund am Ohr? Der Meldung dass die Akzeptanz zum Wolf bedrohlich sinken würde, wenn ein Pferd - der Deutschen liebstes Sportgerät - angegriffen würde, folgt umgehend der Angriff auf ein solches Exemplar? Ich habe in all diesen Vorkommnissen persönlich ermittelt und kann ganz klar sagen, dass Gerüchte und Missverständnisse dazu genutzt werden, das Raubtier wieder bejagen zu dürfen.

SAVE: Was sagen Sie zu der Diskussion, den Wolf wieder ins Jagdgesetz aufzunehmen?

Karsten Arnold: Der Wolf ist im Jagdgesetz nicht gut aufgehoben. Die Jägerschaft hätte dann weit mehr Arbeit und Ausgaben als ihr lieb wäre. Sie wäre dann für jegliche Aufgaben um das Thema verpflichtet und dafür fehlen ihr sowohl die Mittel als auch die Ausbildung. Von der Akzeptanz einmal ganz zu schweigen. Ich persönlich kenne nur einen Jäger, der den Wolf als lebenswerte Tierart ansieht. Ein Wolf tötet nur zum Überleben und stärkt dabei sogar noch den Wildbestand, in dem er zuerst kranke und alte Tiere reißt. Aber auch Jungtiere wie z.B. Frischlinge gehören zum Speiseplan, und das wiederum reguliert den Bestand der Schwarzkittel, der uns Menschen oft Nerven kostet. Leider kämpft der Wolf nun zum zweiten Mal ums Überleben, weil dem Menschen nicht passt, dass jemand außer ihm das Schicksal des Waldes leitet. Wilde Tiere können sich nicht verteidigen, erklären oder um Gnade bitten. Darum muss es Menschen wie uns geben, die Partei für wehrlose Geschöpfe ergreifen und dem Menschen Verhaltensweisen und Zusammenhänge erklären. Es gibt ungefähr 360.000 Jagdgenossen in Deutschland aber nur ca. 360 Wölfe. Zahlen, wieviel ein Wolf für sein Auskommen erlegt, belegen, dass es durchaus eine Koexistenz von Jägern menschlicher Natur und Beutegreifern wie dem Wolf geben kann.

SAVE: Müssen Menschen Ihrer Meinung nach den Wolf fürchten?

Karsten Arnold: Auch wenn in letzter Zeit des Öfteren vom verhaltensauffälligen Rudel in Niedersachsen die Rede war, halte ich den Wolf für normale Waldbesucher absolut nicht für gefährlich. Wir erleben fast täglich wie scheu und bedächtig diese Tiere gegenüber dem Menschen sind. Wenn Jungwölfe die Welt erkunden oder auf Wanderschaft gehen, können natürlich solche seltsam anmutenden Begegnungen entstehen. Doch würde niemand, der verantwortungsvoll Kinder großzieht, diese allein in den Wald schicken. Schließlich ist die Gefahr durch Wildsauen und vor allem durch Zecken allgegenwärtig.

SAVE: Wie stehen Sie zu der Kritik, Naturschützer würden den Wolf verharmlosen, um sich auf diese Weise leichter finanzielle Mittel zu verschaffen?

Karsten Arnold: Es ist ein Mythos, dass Naturschützer den Wolf als Kuscheltier vermarkten, um Spendengelder zu kassieren. Ich habe jahrelang Zeit und meine kaum vorhandenen eigenen Mittel investiert, um die Natur kennenzulernen. Ich kann Ihnen sagen, dass kaum jemand spendet in einer Zeit, in der selbst Erdbebenopfer allein gelassen werden. Für unsere Studie haben wir Unterstützung im Rahmen eines kleinen Betriebskostenzuschusses bekommen. Dafür sind wir auch unendlich dankbar. Trotzdem wird es immer eine Herzensangelegenheit und keine Wirtschaftliche sein, wenn es darum geht, diese Tierart weiter zu entdecken. Es ist ein unbezahlbarer Aufwand, so oft wie möglich Wildkameras aufzustellen, zu unterhalten und auszuwerten.

SAVE: Worin genau besteht Ihre Arbeit?

Karsten Arnold: Wir stellen Wildkameras auf und werten die Ergebnisse aus. Mit viel Zeitaufwand und akribischer Genauigkeit werden Daten erfasst und verglichen. Nicht zu vergessen ist der tägliche Aufenthalt im Revier, um Spuren und Losung zu sichten oder eben persönlich dem Isegrim zu begegnen.

SAVE: Was beinhaltet der unter Ihrer Mitwirkung entstandene, länderübergreifende Managementplan „Wolf“ konkret?

Karsten Arnold: Zum Umgang mit wiederholt auffällig werdenden Tieren haben wir unseren Entwurf eines deutschlandweiten Managementplans an die zuständigen Ministerien gesandt. Denn selbstverständlich geht das Wohl des Menschen vor den Artenschutz. Auch in der Nutztierhaltung muss ein Weg gefunden werden, sich besser gegen Übergriffe zu schützen. Mit Hüteschutzhunden und guter Weidezäunung ist man schon bestens beraten. Private Tierhalter sollten selbstverständlich auch daran denken, dass sie ihre Tiere nicht ungesichert in Wolfsgebieten halten dürfen. Hundehalter sollten ja von Hause aus ihre Tiere im Wald anleinen – allein wegen der Gefahr, dass Wild gejagt oder verschreckt wird. Wir begrüßen, dass eine Kommission der Bundesregierung gebildet werden soll, sind aber etwas skeptisch, wie diese sich zusammensetzen wird.

SAVE: Würden Sie uns abschließend bitte noch von einer Ihrer Begegnungen mit dem Wolf berichten?

Karsten Arnold: Das ist etwas, das man nie vergisst: Am 11. Mai dieses Jahres habe ich zum ersten Mal das ganze Rudel im Wald getroffen. Etwa 30 Meter von mir entfernt hüpften die Welpen vom Vorjahr mit den Elterntieren durch das Unterholz. Die Lebensfreude und die Eleganz, die sie ausstrahlten, sind einfach unbeschreiblich. Ich wünschte, die Menschen wachten endlich auf und würden den Wolf so akzeptieren wie andere Tiere auch und ihn einfach ein Wolf sein lassen.

SAVE: Haben Sie einen Tipp an unsere Mitbürger, wie jeder Einzelne etwas für den Wolfsschutz tun kann?

Karsten Arnold: Die Europäische Kommission ist gerade dabei, die europäischen Natur- und Artenschutzgesetze zu ändern. Hierzu zählt auch der Schutzstatus des Wolfes. Geben Sie dem Wolf Ihre Stimme und beteiligen Sie sich an der Umfrage der Kommission: https://www.naturealert.eu/de

 

Neues aus Shakawe - Mit Schwung ins Jahr 2015

Freitag, den 20. Februar 2015 um 12:23 Uhr
Pabalelo Gruppenfoto
© SAVE/Pabalelo Trust

Ende November beginnen im südlichen Afrika die Sommerferien. Doch nicht nur Schüler haben dann 6 Wochen frei, auch Geschäfte, Banken und beinahe das ganze Alltagsleben kommt gegen Ende des Jahres fast zum erliegen. Aber nicht alles, denn die Arbeit von SAVE ruht nicht. Wir haben genau diese Zeit der Ferien und des Jahreswechsels genutzt, um einige wichtige Aktivitäten durchzuführen.

 Library Playgroup
© SAVE/Pabalelo Trust
So haben sich die SAVE-Lehrkräfte aus Shakawe, Samochima, Gweta und Moremaoto in der Ferienzeit zum Erfahrungsaustausch, einem Workshop zum Vorschulunterricht und zur gemeinsamen Planung des neuen Schuljahres getroffen. Zwei Lehrerinnen aus der Shakawe Spielgruppe haben zudem ihre von der Bokamoso Trust durchgeführte Fortbildung zur akkreditierten Vorschul-Lehrkraft im Dezember absolviert. Im Laufe des Jahres sollen weitere SAVE-Lehrkräfte das gleiche Training durchlaufen. Dadurch sollen die Lehrkräfte besser gewappnet sein, um den Richtlinien des „Project Concern International“ und dem nationalen Gesamtkonzept in Botswana zu entsprechen.

Unsere Pilot-Curriculum für die Arbeit mit Vorschulkindern wird nun seit einem Jahr erprobt. In dieser Zeit wurden unterschiedliche Unterrichtseinheiten entwickelt und angepasst, so dass nun alle wichtigen Aspekte des Natur-, Umwelt- und Tierschutzes in den Unterricht einfließen. Auch die Lehrkräfte haben einiges dazugelernt.

 Samochima Kids Classroom
© SAVE/Pabalelo Trust
Zum Beispiel eine neue Einstellung zu Tieren entwickelt. Rinder und andere Nutztiere wie Ziegen oder Esel werden von der Bevölkerung traditionell wertgeschätzt. Doch leider greift die Tierliebe selten auf andere Lebewesen über. Tiere werden entweder als etwas Lästiges erlebt oder schlimmstenfalls als gefährliche Bedrohung angesehen. Diese negative Einstellung Tieren gegenüber wird von Generation zu Generation vererbt. Mit einem Haustier-Tag versuchten wir, Kindern die Angst vor Tieren wie Katzen und Hunde oder kleinen Insekten wie Käfern zu nehmen. So lernen die Kinder, dass Tiere auch ein Recht auf Leben haben, dass sie zur Natur und zur Umwelt gehören, und dass es wichtig ist, ihre Lebensräume zu schützen.

Der Naturschutz-Unterricht für Vorschulkinder ist nach wie vor so beliebt, so dass mittlerweile die Räumlichkeiten aus allen Nähten platzen. In Shakawe gibt es maximal Platz für 50 Kinder, daher mussten leider zahlreiche Anfragen von weiteren interessierten Eltern abgelehnt werden. Allerdings hofft SAVE, dass im Laufe des Jahres eine neue Spiel- und Lernstätte eröffnet werden kann.

 Samochima Youth outside
© SAVE/Pabalelo Trust
Hierfür hat die NGO Share for Smiles bereits Gelder zugesagt, die aus dem Erlös des Kalender-Verkaufs stammen. Auch Wilderness Safaris haben Geld für die Errichtung einer neuen Hütte gespendet. Derzeit wird mit dem Botshelo Trust noch verhandelt, wo die neue Vorschule errichtet werden könnte.

Zum Beginn des neuen Schuljahres 2015 wurde zu allen Grund- und weiterführenden Schulen erneut Verbindung aufgenommen und das Naturschutz-Programm angeboten. Drei Grundschulen und eine Sekundarschule machen beim monatlichen Umwelt Club mit und weitere Schulen haben Interesse an einer Zusammenarbeit mit SAVE und Pabalelo Trust bekundet. Für April ist bereits ein Ausflug mit den Kindern und Jugendlichen in die Tsodilo Hills geplant. Weitere Ausflüge in Zusammenarbeit mit Wilderness Safaris sind zudem angedacht, um den Kindern die Fauna und Flora ihrer Umgebung näher zu bringen.

Weitere Vorhaben für 2015 sind allen SAVE-Lehrkräften eine Fortbildung zu ermöglichen, die Aufgaben der SAVE-Lehrkräfte und der Shakawe Bibliotheksmitarbeiter genauer zu definieren und die nationale Registrierung informeller Spielgruppen voranzutreiben. Es gibt also noch viel zu tun in 2015.

 
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