Makgadikgadi Forschungsarbeit und Monitoring
Es geht voran: Innerhalb der Forschungsarbeiten des CKGR-Teams können wir wichtige Etappen-Ziele verzeichnen. Keitumetse, einer der botswanischen Biologen, ist als einheimischer Forscher wichtiger Vermittler zwischen Farmern und Wildtieren. Er konnte bereits gute Kontakte zu örtlichen Rinderbauern aufbauen, die als Voraussetzung für die Entwicklung nachhaltiger Lösungen im Farmer-Raubtier-Konflikt besonders wichtig sind. Um präventive Maßnahmen im Konflikt ergreifen zu können, leisten vor allem die Sender-Halsbänder zur Beobachtung der räumlichen Ausbreitung unserer Löwenrudel große Hilfe. Sie liefern wichtige Grundlagendaten und Bewegungsmuster der Löwen vom Boteti und tragen damit einen großen Teil zur Erforschung der Löwenpopulationen in Botswana bei. Damit wir weitere Erkenntnisse gewinnen und unser Projekt ausweiten können, benötigen wir dringend weitere Sender-Halsbänder – bitte unterstützen Sie uns mit einer Spende!
Löwen-Forscher Keitumetse Ngaka (in der Mitte): Sein erstes Treffen mit den lokalen Bauern in der Boteti Region lief genauso, wie erhofft. Keitumetse öffnete die Türen zu einer besseren Kommunikation im Hinblick auf die Löwen-Farmer-Konflikte, wie es eben nur ein echter „Motswana“ kann.
Forscher
Dr. Glyn Maude,
CLOAKING
Masterstudent Keitumetse Ngaka,
CLOAKING
Beteiligte Organisationen
Universität Botswana, Denver Zoological Foundation, Save Foundation, Comanis Foundation und Kanabo Conservation Link.
Forschungsregion
Makgadikgadi und Nxai Pans National Park und ihre umliegenden Regionen.
Projektziele
Schutz, Forschung und Beobachtung der Löwen und des Veterinär-Zauns in der Boteti-Region.
Projekt-Hintergrund
Die Makgadikgadi Löwen-Population ist eine der gefährdetsten Populationen im südlichen Afrika (Hemson 2003, Botswana Raubtier Management Strategie 2009). Mehrere Löwenpopulationen in ganz Botswana werden vom Menschen bejagt und verfolgt. Weil diese Populationen in den geschützten Parks ansässig sind, sind die Gruppengrößen trotz der Jagd durch den Menschen stabil (Botswana Raubtier Management Strategie 2009). In diesen Regionen ist es in absehbarer Zeit eher unwahrscheinlich, dass die Gruppengröße der Löwen auf eine bedenklich kleine Anzahl sinken werden.
Rinder außerhalb des Naturschutzparks auf der anderen Seite des neu errichteten elektrischen Rinder-Schutz-Zaunes.
Der kleinere Makgadikgadi National Park (MNP) mit einer eingeschätzten Gesamtgröße von ca. 50 adulten Löwen ist indes weniger robust und die Population scheint verletzlich gegenüber einem Rückgang in der Anzahl der Individuen - was langfristig sogar zu einer Ausrottung in dem Gebiet führen könnte (Hemson 2003). Die Löwen, die in der Boteti –Region des Makgadikgadi angesiedelt sind, sind zum Teil gefährdet. Die jüngste Errichtung des Rinder-Sicherungs-Elektrozauns entlang der westlichen Grenze des MN-Parks in 2007 wurde mit dem Ziel durchgeführt, das Konfliktpotenzial zwischen Raubtieren und Menschen zu reduzieren und die Löwenpopulationen zu schützen (Abbildung 1). Dennoch ist der Zaun auf Grund von Löchern oder dem Graben von Tunneln durch die Raubtiere selbst durchlässig geworden und hält die Tiere nicht mehr davon ab, aus den Schutzgebieten zu entweichen. Sie überqueren nach wie vor die Hürde in Aussicht auf leichte Beute auf den Farmern der Mastviehweiden lokaler Rinder-Bauern. Doch die Löwen sind auf der anderen Seite des Zauns nicht mehr sicher und werden bei der Jagd auf das Mastvieh oft von wütenden Bauern erschossen (Abbildung 2). Das Wiederaufleben des Boteti-Flusses in 2009 hat zu weiteren Schäden am Zaun geführt, stellt aber selbst nun eine Barriere zwischen den Löwen und dem Mastvieh dar.
Rückblick und Fortschritte der letzten 3 Monate (Stand April 2011)
Elefanten, die aus dem Delta kommen, respektieren die neu geschaffene, unnatürliche Barriere nicht und reißen den elektrischen Zaun einfach ein – es bleiben gravierende Schäden am Zaun, die es den Raubtieren leicht machen, die Grenze des Schutzgebietes zu passieren.
Das Projekt hat innerhalb der letzten 3 Monate tolle Fortschritte zu verzeichnen. Keitumetse Ngaka hat inzwischen mit seiner biologischen Arbeit „im Feld“ begonnen und studiert die Löwen in der Boteti-Region als Teil seiner Masterarbeit an der Universität Botswana. Seine übergeordnete Frage für seiner Masterthese lautet: „Wie haben Fluss und Zaun das räumliche Ausbreitungsverhalten der Löwen verändert, wie werden Beutefang-Verhalten und die Rudelstruktur beeinflusst?“ Weiter befasst sich Keitumetse mit der „Echt-Zeit-Beobachtung“ der Zaunüberquerungen einzelner Löwen mit dem Ziel, eine Lösung für den Konflikt zwischen Raubtieren und Farmern zu finden, die langfristig und zielführender ist, als der „löchrige Zaun“ momentan.
Die derzeitigen Untersuchungen beziehen sich auf drei erwachsene Löwen aus zwei unterschiedlichen Rudeln: Das südliche Rudel und das Menoakwena „Meno“ Rudel, die beide durch unser Projekt Sender-Halsbänder bekommen haben. Ein besenderte Weibchen des nördlichen Rudels wurde mit einigen anderen Gefährten in 2009 erschossen (siehe Abbildungen 6 und 7). Auch in diesem Jahr sind einige Löwen erschossen worden – die genaue Anzahl ist jedoch unbekannt. Das Projekt zielt daher auch darauf ab, in Zukunft eine effektivere Bemessung von erschossenen Löwen zu erhalten, um die potenzielle Bedrohung der Löwen Populationen und ihr Überleben einschätzen zu können. Wenn wir genauere Zahlen über die geschossenen Löwen haben, können wir effektiv Eigeninitiative ergreifen und gegen den Beschuss der Tiere in der Region vorgehen. Die Region gilt ohnehin als diejenige mit den meisten Konflikten zwischen Raubtieren und Farmern in Botswana, da sich sehr viele Rinderfarmen in unmittelbarer Nähe zu den National-Park Grenzen befinden.
Die gelben Punkte zeigen das Bewegungsmuster einer erwachsenen Löwin innerhalb der Trockenperiode 2010, während sich die Zebra-Herden noch in ihrem Territorium aufhielten. Die blauen Punkte stellen das Bewegungsmuster während der Regenzeit dar, wenn die Zebras nicht mehr in der Region grasen.
Bewegungsmuster einer Löwin des Nord-Rudels außerhalb des Parks. Zu dieser Zeit führte der Boteti-Fluss noch kein Wasser und die Zebra-Herden waren schon aus dem Gebiet weggezogen. Nun, da der Fluss seit Juni 2009 wieder Wasser führt, hat sich das Bewegungsmuster stark verändert.
Das Funk-Halsband des „Meno“-Rudels konnte auf Grund technischer Probleme nicht abgerufen werden, daher planen wir, es gegen ein Satelliten-Halsband auszutauschen. Dies würde die technischen Probleme mit dem aktuellen Funk-Halsbandes auf Grund schlechter Signalstärke in der Region bannen.
Dieses Bild wurde im Juni 2009 in der Boteti-Region gemacht, als das Wasser nach über 20 Jahren erstmals wieder in das Kumaga Areal der Boteti-Region kam. Der Makgadikgadi-National-Park befindet sich auf der anderen Seite des Flusses.
Eine der Löwinnen des südliche Rudels hat ein „Mobilfunk“-Halsband, das mittels Funkübertragung Echt-Zeit Informationen über das Bewegungsmuster der Löwin und ihrer drei Gefährten liefert (genannt das „Süd-Rudel“). Seit die Zebra-Herden die Region in ihrem saisonalen Migrations-Rhythmus im Dezember verlassen haben, hat das Rudel die meiste Zeit bis zu 45 km südlich von Kumaga –Dorf entlang des Flusses verbracht. Scheinbar ist der Empfang des Senderhalsbandes genau in dieser Region oft unterbrochen und der Empfang nicht immer garantiert. Die Karte in Abbildung 4 zeigt die Bewegungsmuster einer Löwin des südlichen Rudels im Zeitraum Juli 2010 bis April 2011. Zum ersten Mal hat diese Löwin erst kürzlich (13. Und 14. März 2011) den Zaun in einer deutlichen Distanz zum Makgadikgadi National-Park überquert und hatte mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Ziel, Jagd auf den Viehbestand der Rinderfarmen zu machen. Das Kerngebiet ihres Revieres laut den gesammelten Daten jedoch weiterhin innerhalb des geschützten National-Parks.
Forscher Glyn Maude legt 2009 das erste Sender-Halsband an einer Löwin an… ein Funk-Halsband, dass es uns möglich macht, die Löwin und ihr Rudel in Echtzeit via Internet zu verfolgen. Auch tägliche E-Mails mit dem aktuellen Standort und der genauen Position der Löwin helfen uns, das Bewegungsmuster der Tiere zu dokumentieren.
Bevor der Fluss seit Juni 2009 wieder Wasser zu führen begann, bewegten sich die Löwen dieses Rudels typischerweise weit in westlicher Richtung außerhalb des Parks, um dort nach Beute auf den Rinderfarmen zu jagen. Wir sehen also gerade im von uns beobachteten Löwenrudel eine interessante Veränderung in der räumlichen Ausnutzung des Areals - hervorgerufen durch den erneut mit Wasser gefüllten Fluss, sowie den errichteten Zaun. Nach wie vor machen die Löwen aber Jagd auf die Mastrinder oder Esel, die in unmittelbarer Nähe des Zauns grasen. Die Übergriffe geschehen vor allem an den Stellen, an denen das Vieh den Fluss überquert hat, um dort die Flächen abzugrasen. Gleichzeitig ist der Zaun gerade dort in schlechten und maroden Konditionen, so dass es für die Löwen ein Leichtes ist, diesen zu überqueren. Es gibt immer noch signifikante aber leider schlecht dokumentierte Anzeichen von Löwen-Farmer Konflikten und gleichzeitiger Abnahme der Löwen, die in der Boteti-Region lebten.
Aussicht – Forschung in den nächsten drei Monaten
Doch diese Löwin überlebte nicht lange – nur 5 Monate nach dem ihr das Halsband umgelegt wurde, wurde sie von einem Farmer geschossen, weil sie eines seiner Mastrinder erbeutete.
Unser Hauptaugenmerk liegt in den nächsten Monaten bei Keitumetse, der mehr Daten zur Beantwortung seiner Master– Fragestellung benötigt. Die Masterarbeit stellt die Frage nach dem Einfluss des Veterinär-Schutzzauns auf die räumliche Ausbreitung und Ausnutzung der Löwen in dem betrachteten Gebiet, ihre Ernährung und die Rudelstrukturen. Dafür ist es sehr wichtig, weitere Satelliten-Halsbänder in den Rudeln der Umgebung zu integrieren und dadurch die Bewegung entlang und außerhalb der Zaungrenzen zu analysieren. Außerdem hoffen wir, bald das Funk-Halsband der „Menoakwena-Löwin“ gegen ein Satelliten-Halsband umzutauschen. Leider ist diese Löwin sehr scheu und ängstlich, sodass unser erster Versuch, das Halsband auszutauschen scheiterte. Wir rechnen damit, dass wir die sehr scheuen Löwen des Boteti nur durch Fallen fangen können. Diese haben sich in der Vergangenheit bei ähnlichen Forschungsvorhaben in Kenia als sehr effektiv und ungefährlich für die Löwen erwiesen und sind daher auch vielversprechend für unser Vorhaben. Unser Ziel bis Dezember 2011 ist es, jeweils ein Männchen und ein Weibchen aus jedem der drei Boteti-Rudel mit einem Satelliten-Funk-Halsband oder einem Satelliten-Halsband auszustatten, um bestmögliche Forschungsergebnisse zu erzielen.